Das Gängeviertel erfahren

Als wir im August 2009 in das historische Gängeviertel gekommen sind, wollten wir es vor Verfall und Abriss  retten und in der Hamburger Innenstadt einen Raum schaffen, in dem Neues entstehen kann durch Kunst, Kultur und Gespräche, in Ateliers, Wohnungen und sozialen Projekten. Die Häuser stehen noch, wir sind noch da – und wir arbeiten jeden Tag weiter an unserem Ziel.

Auf diesen Seiten lest Ihr etwas über die Geschichte des Viertels, über die einzelnen Gebäude und über das, was seit August 2009 geschehen ist. Und etwas über uns: über unseren Verein und über die Genossenschaft, mit der wir das Gängeviertel langfristig sichern wollen. Und Ihr könnt Euch gleich hier für Rundgänge anmelden. Ihr seid herzlich eingeladen.

Ihr möchtet gerne das gute, alte Gängeviertel besuchen?

Ihr wollt mit uns zusammen durch die historischen Gebäude streifen und dabei die Geschichte und die Zukunft des Viertels entdecken?

Dann meldet euch bei:

rundgaenge(at)das-gaengeviertel.info.

Wir freuen uns auf Euch.

Die Gebäude

Dies ist ein Plan der einzelnen Häuser des Gängeviertels. Solche Pläne findet Ihr auch an Hauswänden im Viertel, und auch die Gebäude selbst haben wir mit Schildern versehen. Weiteres zu den Häusern findet Ihr hier. Solltet Ihr Euch dennoch verirren, fragt einfach vor Ort nach – wir zeigen Euch gerne den Weg.

Die Geschichte

Vorgestern und Gestern

Noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts erstreckte sich das Areal der Gängeviertel vom Hamburger Hafen über die Neustadt bis in die Innenstadt und bot tausenden Arbeiterfamilien eine Heimat. Aufgrund der unhaltbaren hygienischen Zustände begann die Stadt Hamburg nach der Choleraepidemie von 1892 mit der planmäßigen Sanierung, das heißt: dem Abriss der Gängeviertel. Die Reste gingen im Zweiten Weltkrieg verloren oder wurden 1958-64 wegen des Baus des Unilever-Hochhauses beseitigt. Nur einige Überbleibsel der Viertel standen lange Jahre vergessen entlang des Bäckerbreitergangs und zwischen Caffamacherreihe, Valentinskamp und Speckstraße – der Geburtsstraße des Komponisten Johannes Brahms. Und, hurra, sie stehen immer noch! 

Bevor wir in die Gänge gekommen sind, sind diese denkmalwürdigen Häuser viele Jahre lang verfallen – während direkt daneben Büro- und Wohntürme aus Stahl und Glas gewachsen sind. Dabei wären die vielseitig geschnittenen Gebäude geradezu prädestiniert dafür gewesen, Teil der von den Stadtplanern angestrebten Mischung von Leben und Arbeiten in der Stadt zu sein. Anstatt die Häuser zu sanieren, hat sie die Finanzbehörde dann im Höchstgebotsverfahren verkauft und einen hohen Renditedruck auf sie gelegt. Mehrere Jahre versuchte ein Investor vergeblich, genehmigungsfähige Bauanträge für die Sanierung einzureichen und zog sich schließlich 2007 mit dem Verlust von drei Millionen Euro Planungskosten zurück.

2008 bekam der holländische Investor Hanzevast von der Stadt den Kaufzuschlag für das Gängeviertel. Allen verbliebenen Mietern wurde gekündigt. Laut offizieller Planung sollte im Sommer 2009 mit den Sanierungs- und Abrissarbeiten begonnen werden. Geschätzte 80 Prozent der historischen Substanz sollten verschwinden.

Diese Pläne haben wir verhindert.

Heute und morgen

Heute herrscht wieder Leben im Gängeviertel. Als wir am 22. August 2009 hier her gekommen sind, haben uns die alten Gebäude mit offenen Armen empfangen, und die Bewohner der Stadt haben mitten in ihrer Innenstadt ein altes Stück Hamburg neu für sich entdeckt. 3000 Besucher kamen alleine am ersten Wochenende, um mit uns zu feiern. Noch größer war unsere Freude, als die Stadt Mitte Dezember 2009 das Gängeviertel von dem Investor zurück kaufte – denn das heißt: Seitdem ist der Weg frei für noch mehr Leben, Arbeiten und Wohnen. Für mehr Kunst, Kultur und Soziales mitten in Hamburg.

Im April 2010 haben wir der Stadt Hamburg ein Nutzungs- und Sanierungskonzept überreicht. Zur Vorstellung des Konzepts in der Öffentlichkeit haben wir zusammen mit Besuchern aus aller Welt ein „Zukunftswochenende“ gefeiert. Und wir arbeiten hart daran, dass wir auch in Zukunft viel zu feiern haben werden.

Das alles haben wir natürlich nicht alleine geschafft, und das werden wir weiterhin nicht alleine schaffen. So viele Privatpersonen haben uns dabei geholfen mit ihrer Arbeit, mit ihren Ideen, mit nützlichen Dingen, mit Zuspruch und Kritik. Und wir sind Teil eines großen Netzes von Initiativen, die sich einsetzen für ihr „Recht auf Stadt„.

Wir sind noch lange nicht am Ende unseres Weges. Wir werden ihn weiter gehen für unser gemeinsames Ziel – für ein selbstverwaltetes und offenes Gängeviertel!